Home - Glas.de arrow Glas Wissen arrow Geschichte arrow Das Trinkglas im Wandel

Das Trinkglas im Wandel
Unsere Reise beginnt im Jahr 1500 v. Chr. in Ägypten...
Die Geschichte der Glaskunst

Unsere Reise beginnt im Jahr 1500 v. Chr. in Ägypten, da das ägyptischen Volk schon in dieser Zeit sich durch seine hohe Kultur und seinem ausgeprägtem Kunstsinn auszeichnete. So dienten beispielsweise Essen und Trinken nicht nur als Lebensgrundlage, sondern es wurde in Ägypten genussvoll zelebriert. Jedoch waren in dieser Zeit Trinkgefäße aus Glas sehr rar.

Verwendet wurde Glas, teilweise auch verziert, vor allem zur Aufbewahrung von Salben, Essenzen, Gelen und anderen wertvollen Inhalten. Für den alltäglichen Gebrauch wurden meistens noch flache Schalen, Becher, Krüge mit Henkel, kunstvoll geformte Hohlgefäße in Form eines Kopfes und andere phantasievolle Gefäße aus Keramik, Holz oder
Metall genutzt. Das damalige Glas zeichnete sich durch seine Dickwandigkeit aus. Die meist farbige Glasmasse wurde über einen Sandkern geformt.

Ab dem 5. Jh. v. Chr. erlebte das Kunsthandwerk des Glasmaschens in Syrien und in der Umgebung des Mittelmeeres einen erstaunlichen Aufschwung, so dass mehr und mehr Glashütten entstanden und der Handel mit kleinformatigen Glasobjekten ebenfalls aufblühte.
Mehr und mehr ging man von den kleinen Sandkern-Gefäßen weg und entwickelte neue Formen wie offene Schalen, Dosen ohne und mit Deckel. Mit der Zeit entdeckte man die Möglichkeit, aus zwei zusammengefügten Halbschalen Behältnisse herzustellen. So entstanden die ersten Pokale und Schalen, die Ähnlichkeiten mit den heutigen Trinkgefäßen mit Tellerfuß hatten. Erst jetzt konnte man von der Entwicklung von Trinkgläsern sprechen.

 
Die Erfindung der Glasmacherpfeife 

Erst im 1. Jh. v. Chr., kurz vor der  Zeitenwende, war es möglich, durch die Erfindung der Glasmacherpfeife die Kunst des Glasblasens durchzuführen. Nun konnte man große Mengen von klarem durchsichtigen Glas anfertigen ohne von komplizierten Arbeitsschritten und Kleinformaten abhängig zu sein. Es konnten nun sogar die Oberflächen mit Schliff verziert, farbig bemalt oder vergoldet werden. Schrittweise setzte sich nun das Glas als Aufbewahrungsgefäß und Trinkgefäß durch und fand in einfacher Form und ohne Verzierung vielfach Verwendung. Neben diesen einfachen Verwendungsmöglichkeiten für den alltäglichen Gebrauch wurden in den großen Zentren des Römischen Kaiserreiches auch Luxusgläser hergestellt. Da im Umfeld der Kaiser und Könige ein unbeschreiblicher Reichtum herrschte, wurde auf großen Festen dieser auch zur Schau getragen und die Luxusgläser eigneten sich natürlich bestens dafür. So wurden in den kunstvoll geformten und verzierten Gläsern Wasser, verdünnter Wein und ein bierähnliches Gebräu aus Gerstensaft gereicht.


Ähnliche Glasformen

Seit Anbeginn unserer Zeitrechnung, ungefähr bis zum 3. Jh. n. Chr., breite sich das Glas über das gesamte Römische Kaiserreich, bis in die Schweiz, nach Deutschland, Holland und England aus. Dadurch, dass sich die Glashersteller so dermaßen ausbreiteten, waren die Glasformen sehr ähnlich.

In der Zeit von 500 bis 1000 n. Chr. verkümmerte jedoch die Kultur und somit auch der Genuss von Essen und Trinken. Weil es jetzt nur noch eine bloße Nahrungsaufnahme war, legte man wenig Wert auf Gefäße und Geschirr. Erst seit dem 12. Jh. n. Chr. erstarkte durch die Kirche auch das Kunsthandwerk. Allen voran waren es die Päpste, Bischöfe und kirchliche Würdenträger aus ganz Europa, die aus kunstvoll verzierten Schalen, Gefäßen aus Bergkristall, oder Halbedelsteinen wie Achat speisten. Auch Gläser mit grünem Glas wurden benutzt. Meist hatten die Gefäße die Form von Pokalen, Schalen oder Humpen, so wie sie heute noch im Gebrauch sind.

Etwa um 1500 n. Chr. erlebten das Handwerk und der Handel einen Aufschwung, weil die großen Königshäusern sich an die Kultur der Tafel und des Genießens aus schönen Gefäßen erinnerten und es wieder auflebten lassen. So gab es Trinkgefäße aus Edelmetallen oder sogar Bergkristall. Aber parallel dazu fertigte man Trinkgefäße aus dem einfacheren und billigeren Material - dem Glas. Ein besonderes Glas aus dieser Zeit ist ein Krautstrunk mit Nuppen auf der Wandung und einem eingravierten Sinnspruch «Trinkh mich auss und würff mich nider, heb mich auff und vill mich wider ...»  Besonders Ritter tranken daraus.


Glas war rar

Weil die damaligen Gläser aus dickwandigem und stabilem Glas bestanden und auf der Außenwandung Beerennuppen besaßen, waren sie ideal für die rauen und ungelenken Hände der Trinker. Jedoch muss man sagen, dass Glas zu dieser Zeit sehr rar war. Dies konnte man aus Grabungen schließen, bei denen herausgefunden wurde, dass bürgerliche Haushalte nur vereinzelt Gläser für verschiedene Zwecke und in verschiedenen Größen besaßen. Glasereien, so wie heutzutage üblich,  waren zu jener Zeit einfach zu teuer und kaputt gegangene Gläser konnte man nicht so einfach ersetzen.


Grünes Waldglas

Diese besondere Art des Glases wurde vor allem in den waldreichen Gebieten Böhmens verarbeitet. Es bestichte durch sein grüne Farbe, die jedoch immer mehr rein und farbloser wurde wie vergleichsweise Bergkristall. Im 17. Jh. waren in Böhmen die großen Glashütten dazu fähig, Glas in großen Mengen zu produzieren. Somit war Glas kein Einzelstück mehr. Es war nun reproduzierbar und in großen Mengen herstellbar. Selbst der Handel erstreckte sich nun über ganz Europa. Trinkgefäße gab es in allen Formen und Größen, außerdem gab es auch schon Weingläser mit und ohne Deckel. Um an die vergangene Zeit zu erinnern, wurde die Wandung emailbemalt oder mit dem Schleifrad mehr oder weniger kunstvoll verziert.
Man konnte sagen, dass zu dieser Zeit die schönsten Gläser und Pokale aus der Gegend Riesengebirges in Böhmen und Schlesien kamen.

Ende des 17. und Anfang des 18. Jh. war die künstlerische Blütezeit der Glashütten. So entstanden sehr kunstvolle Einzelobjekte wie beispielsweise der enorm aufwendig mit dem Schleifrad bearbeitete Pokal von Friedrich Winter aus dem Hirschberger Tal aus Schlesien.
Nun fand man mehr und mehr prunkvoll gedeckte Tafeln am Hofe. Es war die Zeit des vermögenden Klientels. Daher wurden immer mehr komplette Serien gleicher Gläser, Tafelaufsätze in der Tischmitte und feines Geschirr aufgetischt. Es war bis Ende des 18. Jh. ein Teil des höfischen und des gutbürgerlichen Lebens. Dagegen begnügte sich der einfache Bauer mit Trinkgefäßen aus Holz, unedlen Metallen oder Keramik.


 Die Zeit des Biedermeier

Erst Anfang des 19. Jh. legte man keinen großen Wert mehr auf die prunkhafte Selbstdarstellung – es ist das Zeitalter des ruhigen Biedermeier. So verbrachte man lieber die Zeit in seinen eigenen schön eingerichteten vier Wänden. Man genoss das Essen und Trinken im Kreise seiner Familie. Die Trinkgefäße waren eher unspektakulär. Sie waren klein, meistens aus Glas und eher dezent verziert.

Erst mit der Epoche des Historismus gegen Ende des 19. Jh. kamen die alten pompösen Stile wieder zurück und die Gläser waren nun größer und aufwendig gefertigt. Man wollte sich dadurch repräsentieren und zeigen, was man hatte.


Geometrische Formen

Nach dem Biedermeier folgte die Zeit des Jugendstils und des Art Déco. Es tauchten nun neue Formen und Dekore auf, so wurde der Jugendstil durch japanische Formen und Blütendekore geprägt. Die Gläser besaßen florale Gefäßformen oder Blüten- und Rankendekore. Wie die Farbenpracht der Blumen waren die Gläser bunt und fröhlich. Erst zum Ende der 20er Jahre dieses Jh. verschwanden diese Formen und Dekor durch die Zeit des Art Déco.

Hier standen eher geometrische Formen im Vordergrund, selbst Rundungen fielen zugunsten der eckigen Formen weg. Danach gab es keine erheblichen Neuerungen bei der Gefäßform, besonders durch die zwei Weltkriege bedingt. Daher kann man sagen, dass sich die Form mehr und mehr dem Inhalt angepasst hat. So benutzte man große Gefäße für Bier,  kleine Gefäße für Wein und noch kleinere für Schnaps und Likör. Es kam teilweise zu einer Überschneidung der Stile.

Nach dem Ende des Krieges, Anfang der 60er Jahre, legte man mehr Wert auf Essen und Trinken. Man war froh, nach der Hungersnot genügend zu essen zu bekommen. Daher waren Gefäße eher nebensächlich und wurden in großen Mengen maschinengefertigt. Das handgefertigte Glas verlor seinen Reiz und war nicht mehr «en vogue».
 
Weil immer Alles irgendwann wiederkehrt, besann man sich in den 80er Jahren wieder auf den Genuss und auf schöne Dekoration. Deshalb waren die großen Glasfirmen in Frankreich und Böhmen mit ihren kunstvoll gestalteten Trinkgläser wieder groß in Mode. Kleinere Glashütten dagegen mussten im harten Konkurrenzkampf um ihre Existenz kämpfen und maschinengefertigte Gläser in großen Mengen anbieten.

Ein richtiger Weinkenner weiß, dass ein guter Wein, getrunken aus einem handgefertigten, dem Charakter des Weines angepassten Trinkglas, ein waren Genuss ist. Man wusste schon früher, wie man die Wirkung durch kunstvoll gefertigte Gläser auf Augen und Gaumen verstärken konnte. Und es wäre schade, wenn wir uns heute diesem Genuss verschließen würden, wo es doch heutzutage viel einfacher ist, kunstvolle Gläser zu erwerben.



 
< zurück